Cebu, wo man mit Schildkröten schwimmt und unter Wasserfällen duscht

Die Schnorchlerin vor mir deutet aufgeregt in meine Richtung. Leicht irritiert drehe ich mich unter Wasser um die eigene Achse und erschrecke erst mal – direkt neben mir schwimmt eine riesige Schildkröte! Eine Schildkröte!!! Sie umkreist mich, dann dreht sie ab. Ich hole tief Luft und schwimme ihr hinterher. Schwerelos gleiten wir nebeneinander durchs Wasser.

Willkommen auf Cebu – Sonne, Strand, Wasserfälle und Schildkröten

Ich bin nicht etwa auf einer exklusiven Tauchsafari. Nein, ich bin in Moalboal auf Cebu und einfach ein paar Meter vom Strand ins Meer geschnorchelt. Da der Meerboden mit Grasalgen bewachsenen ist, wäre ich fast nicht ins Wasser gegangen (durch Algen ins Wasser zu laufen ist so ziemlich das Einzige, was ich am Meer echt nicht leider kann). Aber ich überwinde mich und schon nach ein paar Metern entdecke ich ein Riff und nach ein paar weiteren Metern, wie aus dem Nichts, die Schildkröte. Ich bin immer noch ganz hin und weg!

Moalboal auf Cebu. Eigentlich steht der kleine Ort gar nicht auf unserer Route, wir wollen direkt in den Süden nach Oslob und von dort die Insel erkunden. Dann sehe ich allerdings, dass die Wasserfälle von der Westküste besser erreichbar sind. So fahren wir also zunächst mit dem öffentlichen Bus nach Moalboal – die beste Entscheidung, die wir treffen können! Moalboal ist für uns Wahnsinn! Die Stadt (wenn man die lange Strasse so nennen kann) ist nicht wirklich hübsch und außer einer Shoppingmall, zig (Zucker-)Bäckereien und einem Obstmarkt kann ich nicht sehr viel mehr ausmachen. Ach halt, es gibt einen funktionierenden Geldautomaten an der Shoppingmall! Auf den Philippinen wortwörtlich Gold wert. Aber man wohnt auch nicht in Moalboal, sondern im Village oder am Strand, ein paar Kilometer entfernt. 

Der Küstenstreifen um Moalboal ist ein Paradies für Schnorchler und Taucher. Das Wasser ist glasklar; die Farbtöne hellblau, blau und türkis wechseln sich ab. Zum Baden ist der White Beach perfekt, der Sand ist – wie der Name schon sagt, fast weiß und man kann herrlich schwimmen, da es recht schnell tief wird. Das Wasser ist so klar, dass man den Boden sehen kann und der Sonnenuntergang ist magisch.

Viele sagen, Moalboal sei so touristisch. Und im Grunde stimmt das auch. Ja, es ist touristisch, allerdings geht es extrem entspannt und ruhig zu und bei weitem nicht so schlimm wie in Oslob oder auf Panglao (Bohol). Am Strand ist es nie überfüllt und meist traf man mehr Einheimische als Touristen.

Island-Hopping Tour – oder vielmehr Schnorcheln an der Küste 

Am nächsten Tag sehe ich die Schildkröte direkt noch mal. Wir haben eine „Island-Hopping-Tour“ bei ein paar Fischern gebucht. Zumindest nennen die Philippinos diese Bootstour so. Von Island-Hopping kann nicht unbedingt die Rede sein – genau genommen betreten wir keine einzige Insel, sondern ankern lediglich vor einer. Ich würde es ehr eine Meeres-Hopping-Tour nennen. Buchen kann man die Touren nahezu überall, man muss einfach einen Philippino (bspw. in einem Hotel, Kiosk oder sonstwo) fragen. Jeder hat hier einen Bruder, Cousin oder Onkel, der ein Boot besitzt und so was anbietet. Geworben wird immer mit 3 Stopps: Sardinenschwärme, Pescador Island und Schildkröten.

Sonntag Morgen um neun hüpfen wir also aufs Fischerboot und fahren los. Die Sardinenschwärme sind toll, allerdings sehen wir auch Menschenschwärme, die die Sicht unter Wasser stark einschränken (Stichwort touristisch). Danach fahren wir nach Pescador Island, eigentlich nicht mehr als ein großer Felsbrocken vor der Küste Cebus, vor dem viele, viele bunte Fische und blaue Seesterne schwimmen!

Pescador Island

 Ein super Spot zum Schnorcheln – auch wegen der Korallen. Leider gibts hiervon keine Bilder, die hat die Gopro gelöscht (argh!). Danach besuchen wir die Schildkröten, sozusagen als krönenden Abschluss.

Die Island-Hopping Tour macht Spaß und ist ein schönes Erlebnis – allerdings braucht man sie nicht unbedingt zu buchen. Zu den Sardinenschwärme kann man auch vom Strand aus schwimmen. Man muss nur schauen, wo die vielen Boote stehen und kann dann die paar Meter zu ihnen schwimmen. Das gleiche gilt für die Schildkröten. Klar gehört da auch immer eine Portion Glück dazu, dass man sie dann auch findet. Die Bootjungs wissen natürlich genau, an welchen Stellen sie zu welchen Uhrzeiten suchen müssen. 

Um nach Pescador Island zu kommen braucht man natürlich ein Boot, allerdings kann man die Fische auch am Riff in Strandnähe sehen (nicht ganz so viele wie bei Pescador Island, aber wenn man erst einmal tauchen war, ist Pescador Island auch nicht das Must-see der Unterwasserwelt). Spaß macht die Tour trotzdem. 

Chasing Waterfalls

Cebu ist ein Wasserfall-Paradies. Allein auf meiner Was-will-ich-sehen-Karte waren vier nur im Süden der Insel markiert. Geschafft haben wir zwei, dafür aber die tollsten. Der schönste Wasserfall ist Kawasan.

Kawasan Wasserfall

Kawasan Fall von oben

Leider auch der überlaufenste. Trotzdem muss man ihn einfach gesehen haben. Am besten fährt man relativ früh mit dem Roller hin, dann hat man noch freie Sicht. Je später der Vormittag, desto voller wird es. Das Wasser am Kawasan Fall ist echt frisch, aber es lohnt sich, sich zu überwinden. Der Wasserfall selbst ist ein Traum! Wir haben sogar noch das Glück den Wasserfall ohne die Touri-Belustigung zu geniessen. Für 300 Pesos kann man sich auf einem Floß unter den Wasserfall ziehen lassen, dann darf man sich etwa 10 Minuten lang beplätschern lassen, bis der Mann am Rand in die Trillerpfeiffe bläst und damit das Zeichen für das nächste Floß gibt vorzurücken. Für ein, zwei Minuten endet das Gekreische, dann kreischen die nächsten. Für mich ein absolutes Mysterium warum man so etwas macht. Da hat man diesen spektakulären Wasserfall, diese wunderschöne Natur und dann muss man eine Belustigungstour buchen? Naja, jedem das Seine.

Links vom Wasserfall führt eine kleine Treppe nach oben, über die man zu weiteren Wasserfällen kommt. Es ist die Route, auf der die Kanyoningtouren runterkommen. Wenn man selbst hochläuft muss man natürlich auch wieder den Weg zurück gehen. Aber es lohnt sich ungemein! Ich bin im Nachhinein fast ein wenig traurig, dass wir nicht weiter gegangen sind…

Stichwort Kanyoning Touren: Eigentlich jeder auf Cebu verkauft eine Kanyoningtour (ähnlich wie die Island-Hopping-Touren). Wir haben uns dagegen entschieden und sehr unterschiedliches Feedback gehört. Die einen fanden sie super, die anderen furchtbar, wieder andere haben sich richtig böse verletzt. Wenn man die Tour machen will, sollte man nicht die günstigste Variante wählen und bei einem der etablierteren Anbieter buchen. Wenn man Pech hat, erwischt man sonst einen Guide, der selbst nicht weiß, an welchen Stellen man ungefährdet springen kann. Und das kann böse enden.

Auf der Suche nach dem heiligen Gral

Nach dem Kawasan steht aber noch ein zweiter Wasserfall auf Cebu auf unserem Programm: der Cambais Wasserfall. Angeblich soll der nur 25 Minuten vom Kawasan entfernt sein. Das behauptet zumindest Google Maps. Als uns nach einer Stunde bergauf langsam der Sprit ausgeht und wir den Berg wieder zum nächsten Ort runterfahren müssen, erklärt uns die 7-jährige Kioskverkäuferin lässig, wir hätten schon vor Kilometern abbiegen müssen. Keine Ahnung wo Google uns hinschicken wollte, jedenfalls nicht zum Wasserfall. Auch auf den Philippinen gilt – trau keiner mobilen Karte (wirklich egal welcher), frag immer die netten und auskunftsfreudigen Einheimischen! Allerdings hätten wir ohne die katastrophale Mapsroute diesen atemberaubenden Ausblick verpasst.
 Blick vom Berg

Der Cambais Wasserfall

Nach zwei Stunden Wasserfallsuche kommen wir also endlich am Hinweisschild für Cambais an. Von der Straße aus wandert man noch mal rund 20 Minuten über einen schmalen Waldpfad. Irgendwann bin ich von der Wasserfallsuche leicht genervt und überlege schon, ob wir einfach umkehren sollten. Doch dann taucht wie aus dem Nichts plötzlich ein kleines Kassenhäuschen samt Wärter auf – und zwar für den Wasserfall! Auf den Philippinen muss man nämlich für nahezu alles eine Eintrittsgebühr zahlen: für Wasserfälle, Unterwasser-Naturschutzgebiete, Überwasser-Naturschutzgebiete, Fährhäuser, und, und, und. Ich hoffe zumindest die Naturschutz-Eintrittsgebühren kommen auch tatsächlich der Natur zugute. Jedenfalls saßen da mitten im Nirgendwo drei Erwachsene und zwei Kinder und knöpften uns eine Besucher-Fee von 50 Pesos (ca. 1€) pro Person ab. Immerhin ist es ein gutes Zeichen, dass wir wirklich angekommen sind. Und je näher wir kommen, desto lauter wird das Plätschern. Und dann sehen wir plötzlich das vor uns:

Glasklares (kaltes) Wasser, ein riesiger plätschernder Wasserfall, in dem sich ein Regenbogen bricht, daneben ein kleinerer Fall und kaum ein Mensch. Herrliche Ruhe.

Cambais Wasserfall Cebu

Auch hier gibt es einen zweiten Wasserfall. Dazu muss man an der Seite des kleinen Wasserfalls über die in den Stein geschlagenen Stufen hochklettern. Darüber findet sich ein Wasserbecken, eine wacklige Holzleiter und dann steht man vor diesem Naturwunder:

Cambais Wasserfall Cebu

Die Westküste von Cebu ist mitunter einer der schönsten Flecken der Philippinen! Die Menschen sind freundlich, die Natur der Wahnsinn und das Wetter zeigt sich uns von seiner besten Seite. Statt zwei Nächten sind wir einfach vier geblieben. Das ist das Tolle, wenn man ohne Plan reist. Wenns schön ist, kann man einfach länger bleiben. Und Moalboal ist schön!

2017-05-13T05:13:51+00:00 13. Mai 2017|

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