Warum ich Trinidad in mein Herz geschlossen habe – und Du es auch tun wirst

Es ist heiß. Verdammt heiß. Ich mag heiß. Allerdings fühlen sich die 34 Grad an wie 40. Und die Luft steht. Nachmittags grollen Donner durch die schmalen Straßen, dass man zusammenzuckt – der Regen bleibt aber aus.
Es ist so heiß, dass ich nach diesem Foto Flecken auf meinem T-shirt habe. Die hübsche Parkbank hat abgefärbt. Und nein, die war nicht frisch gestrichen. Es war einfach nur heiß. Willkommen in wunderschönen Trinidad.

Trinidad – spanische Träume und Zuckerbarone

Zwischen den Bergen der Sierra del Escambray, inmitten der einstigen Zuckerfelder liegt das kleine Kolonialstädtchen. Trinidad wirkt wie aus einer andere Zeit. Holprige Kopfsteinpflaster, Cowboys und Pferdekutschen. Männer in Gummistiefeln, Kinder die in einem Ziegenwagen um die Plaza fahren. Die Uhren scheinen hier stehen geblieben zu sein. Oder die letzten Jahre seeehr viel langsamer getickt zu haben.

Cowboy in Trinidad

Trinidad ist der längst vergangene Traum einer spanischen Kolonie. Die Zuckerplantagen machten Trinidad zu einer der reichsten Städte Kubas und die Zuckerbarone bauten ihre kleinen Stadtpaläste, Kirchen, Museen und machten die Stadt zu einem bunten Traum.

Kirche in Trinidad

Mit dem Zusammenbruch der UDSSR schloss man jedoch 60% der Zuckerplantagen. Brauchte man plötzlich nicht mehr. Zack, weg war Wirtschaftszweig, der ganze Städte ernährt und für Wohlstand und Wachstum gesorgt hat. Die Zuckerplantagen und der Reichtum sind verschwunden, doch der Charme ist Trinidad geblieben. Ein Städtchen das niedlicher nicht sein könnte.

Von Plaza zu Plaza

Trinidad im kubanischen Sommer ist echt anstrengend. Zwischen 14-15 Uhr ist der Zenit erreicht. Heißer geht es kaum mehr. Pferde, Fahrradtaxi-Fahrer und Touristen – alle schieben sich mit dem gleichen paralysierten Blick im Schneckentempo durch die Gluthitze als sei man auf der Suche nach der nächsten Oase.

Plaza in Trinidad

Unsere Oasen waren die Plazas mit ihren schattigen Plätzchen, an einem Sonntag haben wir nicht viel anderes getan als von einer Plaza zur nächsten zu wandern und uns dort im Schatten niederzulassen und das Geschehen um uns herum zu beobachten. Kann ich wirklich nur empfehlen. Es ist nicht nur erholsam sondern hat echt Unterhaltungswert.

Trinidad ist Musik

Das Leben spielt sich in Trinidad draußen ab. Abends kommen die Bewohner vor ihre Türen. Die Kinder spielen Volleyball oder Fußball, die Männer beratschlagen, die Frauen tauschen den neuesten Klatsch aus. Man möchte sich am liebsten mit dazu auf die Treppenstufen setzen. Und von überall her schallt Musik. Musik scheint der Motor Trinidads zu sein.

Eines unserer schönsten Kuba-Erlebnisse hatten wir in Trinidad. Wir waren Samstagabend auf dem Nachhauseweg und in jedem Haus lief im Fernsehen das selbe Programm. Die Bewohner schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, die anderen stöhnten auf, die nächsten schnieften. Und wirklich jeder schaute das Gleiche! Als wir in unserer Casa ankamen, saß auch unser Gastgeber vor dem Fernseher. Die Sendung war aus. Es war das große Staffelfinale einer seit Jahren laufenden Soap.

Und was kann man in Trinidad noch so machen, außer auf Plazas sitzen und das Leben beobachten?

Gemächlich durch die Straßen der bunten Stadt

Wir sind einen ganzen Tag durchs Städtchen geschlendert. Um ehrlich zu sein, man kann in zwei Stunden fast alles gesehen haben. Doch wir haben uns einfach treiben lassen. Sind ohne Ziel durch die Gässchen geschlendert und haben uns vom Geschehen dieses zauberhaften Städtchens einfangen lassen. Haben dem Handel auf der Straße zugeschaut, ein bisschen Obst gekauft.

Fischverkauf auf der Straße

Beobachtet, wie die Bewohner kleine Fenster-Kioske betreiben. Und haben unsere Fotoapparate an den bunten Häuschen heiß laufen lassen.

Bunte Häuser von Trinidad

Über den Dächern Trinidads

Einen wunderschönen Ausblick auf Trinidad hat man vom Turm des Museo Historico aus. Eigentlich wollten wir uns nur vor einem Gewitter ins trockene flüchten. Und da kam uns ein Museumsbesuch gerade recht. Das Gewitter ist letztendlich ausgeblieben aber wir hatten einen umso tolleren Blick. Bis zum Glockenturm sind es nur ein paar Stufen – und der Aufstieg lohnt sich.

Blick über Trinidad
Der Blick vom Turm ist einfach toll
Blick vom Turm
Auch in Richtung Plaza Mayor ist der Ausblick einfach große klasse

Man darf nur nicht an der Glock läuten. Strengstens verboten!

Vamos a la Playa

Nur ein paar Kilometer weiter findet man herrliche Strände. Der bekannteste ist sicherlich Playa Ancon. Wir haben einen Tag am Playa Maria verbracht. Dieser ist nicht ganz so gut besucht und der Taxifahrer sagte, man könne super schnorcheln. Ersteres stimmte, der Strand ist schön und nicht zu voll. Als Wahnsinns-Schnorchel-Spot würde ich ihn jetzt aber nicht unbedingt bezeichnen. Aber das ist vermutlich das Los, wenn man von der thailändischen und philippinischen Unterwasserwelt verwöhnt ist – #luxusprobleme. Nein, ich will nicht jammern. Der Strand ist traumhaft, das Wasser hat im Juli Badewannentemperatur und selbst die Kubaner gehen schwimmen. Vermutlich auch das sinnvollste, was man bei diesen Temperaturen in Trinidad tun kann.

Strand vor Trinidad

Uns war vorab von unzähligen Leuten empfohlen worden, mit dem Fahrrad hinzuradeln. Ganz ehrlich, war uns zu heiß! 14 Kilometer und kein Schatten sind dann doch etwas zu viel verlangt.
Wir haben uns von einem „Taxi“ hinfahren und wieder abholen lassen. Das haben wir direkt vor der Fahrt verabredet. Bezahlt haben wir bei der Rückfahrt. Nicht jeder Fahrer lässt sich darauf ein, aber so geht man zumindest sicher, dass man auch wirklich wieder abgeholt wird (und nicht mit einem überteuerten Taxi zurückfahren muss).

Fiat 500 in Trinidad
Auch in Trinidad ist der Fiat 500 im Trend – allerdings der alte 

Und Dank unseres roten Flitzers weiß ich jetzt auch, wie sich eine Fahrt so ganz ohne Stoßdämpfer, ABS, Servolenkung und Anschnallgurte anfühlt.

Wenn die Sonne untergeht: Cocktails & Live-Musik

Abends muss man einfach an die Plaza Mayor: der Place to be in Trinidad. Unzählige Menschen versammeln sich vor der Kathedrale, aus dem Restaurant neben der Kirche hört man die Live-Musik und an den umliegenden Kiosken verkauft man Cocktails für 1 CUC.

Plaza Mayor in Trinidad

Es herrscht eine herrliche Atmosphäre und wenn man den richtigen Platz erwischt hat, sieht man sogar noch die Sonne über den Dächern Trinidads untergehen.

Sonnenuntergang Trinidad

Und sonst so?

Man kann auf die ehemaligen Zuckerplantagen rausfahren oder eine Tour zu den Wasserfällen machen. Haben wir aber nicht. Auch der Sonnenuntergang vom Sendemast soll super schön sein. War uns bei der Hitze aber alles zu anstrengend. Ja, wir waren faul in Trinidad, aber dieses Städtchen lädt aber auch einfach dazu ein – es ist zu gemütlich.

Essen: Taberna La Botija

Eines der wenigen guten und günstigeren (Touristen-) Restaurants auf Kuba. Leider haben wir den Laden erst am letzten Tag ausprobiert. Von Geheimtipp kann man kaum sprechen, da jeden Abend eine lange Schlange vor dem Restaurant steht. Aber warten lohnt sich!

Schlange vor Restaurant
Ab ca. 18Uhr ist beim La Botija eigentlich immer eine Warteschlange vor der Türe

Probiert unbedingt die gefüllten Plantanas – frittierte Kochbananen, die gefüllt werden. Ich liebe jegliche Machart von Kochbananen aber gefüllte habe ich noch nirgends gegessen. Ebenso lecker sind die Fischkroketten.
Die Burger sind riesig und für 4 CUC unschlagbar günstig.

Burger
Sieht nicht groß aus – war aber ziemlich sättigend

Die übrigen Hauptgerichte (gigantische Portionen) sahen wir nur bei den Tischnachbarn. Da kann man locker eine Platte zu zweit essen. Das ganze spült man am besten mit einem Canchanchara runter – der für Trinidad so typische Cocktail. Der hat es in La Botija auch ordentlich in sich! Aber es war der beste, den ich in Trinidad getrunken habe.

Seit 1880 gibt’s den Laden und angeblich haben sie 24 Stunden geöffnet. Ob das im kleinen, verschlafenen Trinidad stimmt – ich weiß es nicht (freue mich aber über Rückmeldungen).

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2017-09-02T05:35:15+00:00 11. August 2017|

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